Studiengebühren, Fluch oder Segen


Zur grundlegenden Erläuterung sollte zunächst einmal geklärt werden, was Studiengebühren genau sind: Studiengebühren sind Mittel, welche die Studierenden an ihre Universität zur Verbesserung ihrer Lehre zahlen. Pro Semester (6 Monate) beläuft sich die Zahlung in der Regel auf 500€, welche direkt an die jeweilige Universität oder Hochschule überwiesen werden muss. Bei Teilzeitstudien wird die Studiengebühr jedoch, im Verhältnis zum Pflichtlehrangebot in einem entsprechenden Vollzeitstudiengang, ermäßigt. Ebenso gibt es die Ausnahme, wenn sich jemand an mehreren Hochschulen eingeschrieben hat, dass die Gebühr an die Hochschule zu leisten ist, an welcher der Schwerpunkt des Lehrangebots liegt. Allerdings besteht für einige Studierende die Möglichkeit, die Gebühren erst nach dem Studium zu bezahlen, dann allerdings mit (niedrigen) Zinsen. Als Langzeit, evtl. auch als Fachwechsler/in wird man dieses Darlehen zur Finanzierung der Gebühren jedoch nicht bekommen, sondern immer sofort zahlen müssen. Sie können im Internet Fragen zu diesme Thema diskutiern, klicken Sie hier auf den Ratgeber als Hilfe.

Für die vier klagenden Studenten der Universität Karlsruhe und der Pädagogischen Hochschule Freiburg, sowie den zehntausend weiteren verärgerten Studierenden, welche in den vergangenen Wochen auf die Straße gegangen waren, bedeutete das Urteil des baden-württembergischen Gerichtes gestern einen erneuten Tiefschlag. Sie hatten unter anderem geklagt, dass aufgrund des Wehr- oder Zivildienstes erst verspätet mit dem Studium begonnen und dieses deshalb nicht mehr gebührenfrei aufgenommen werden konnte. Weiter klagte eine Mutter zweier Kinder, werde ihre Erziehungsleistung bei der Erhebung der Gebühren nicht berücksichtigt. Doch der Verwaltungsgerichtshof sah dies anders und entschied heute, dass die Studiengebühren völlig rechtmäßig seien. Das Land sei entgegen der Anklage nicht dazu verpflichtet, die durch die spätere Aufnahme des Studiums entstehenden Nachteile von Wehr- oder Zivilleistenden, auszugleichen. Zudem bestätigte der Richter zwar die Gebührenbefreiung bis zu einer Kinderaltershöchstgrenze von acht Jahren für studierende Eltern, lies aber keine Bendenken daran, dass nach der Überschreitung dieser Altersgrenze der Betreuungsaufwand sinken würde. Allerdings müssen für die Gebührenbefreiung unbedingt die Originale einer eidesstattlichen Erklärung, eine Meldebestätigung von sich und dem Kind, sowie eine Geburtsurkunde vorliegen. Weiter besteht die Ausnahme, wer wegen Krankheit mindestens zwei Monate nicht studieren konnte oder wer mehr als geringfügig arbeitet, muss keine Studiengebühren zahlen. Von der Gebührenpflicht befreit wird außerdem, wer zwei oder mehrere Geschwister an einer Hochschule, Berufsakademie etc. hat oder hatte und welche dort Studiengebühren bezahlt oder für mindestens sechs Semester abbezahlt haben. Vor dem Alter gibt es jedoch keine Gnade: Die Pension zählt nicht als Erwerbseinkommen, es muss bei Überschreiten der Dauer gezahlt werden. Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) betonte: "Es ist angemessen und auch sozialstaatlich gerechtfertigt, dass Studierende einen fairen Anteil an den Kosten ihres Studiums übernehmen."

Der Grünen- Landtagsvorsitzende Daniel Mouratidis hingegen bezeichnet die Gebühren als sozial ungerecht und als schweren politischen Fehler. Enttäuscht zeigte sich auch der SPD- Landtagsabgeordnete Martin Rivoir, da die Studiengebühren Kinder aus einkommensschwachen Familien vom Studium abhalten bzw. abschrecken würden.

Dies wies Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) jedoch entschieden zurück: "Die wachsende Zahl von Studienanfängern spreche gegen die behauptete abschreckende Wirkung von Studienbeiträgen." Die Oppositionsparteien SPD, Freie Wähler und Grüne hatte die Protestmärsche der Studierenden unterstützt und forderten im Gesetzesentwurf zur Änderung des Bayerischen Hochschulgesetzes die Abschaffung Studien- und Verwaltungsgebühren. Wiederholt hatten Studenten ihren Wunsch nach einer Absenkung vorgetragen, so heißt es sowohl an der Ludwig- Maximilians Universität in München, der größten Hochschule Bayerns, als auch an der Technischen Universität München. Die Studiengebühr beträgt hier einheitlich 500€. Änderungen sind nicht geplant. Die Hochschule München, lies sich zu einer Senkung auf 465€ hinab, sieht aber keine Möglichkeit noch weiter zu reduzieren. Auch die Universitäten Erlangen-Nürnberg, Bayreuth und die Otto- Friedrich-Universität Bamberg haben nicht vor, die Studiengebühren von derzeit 500 Euro pro Semester zu senken. Die Fachhochschule Hof hat hingegen die Studiengebühren für die 2300 Studierenden seit dem Wintersemester 2008/2009 auf einheitlich 400 Euro gesenkt.

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